Arthurs Tochter Rezept für klassische Linsensuppe

Zu Beginn des Jahres habe ich Ihnen hier im Blog ein Rezept für eine vegane Linsensuppe mit afrikanischem Touch vorgestellt, samt der Erklärung, warum gerade zu Beginn eines neuen Jahres so gerne Linsen gegessen werden. Heute widme ich mich der klassischen Variante einer Linsensuppe, wobei ich sie stets mit einem größeren Gemüseanteil koche, als in vielen Rezepte üblich. Allerdings können Sie diesen Anteil ganz nach Ihren persönlichen Vorteilen wählen - das Grundrezept bleibt schließlich das gleiche.

Warum gibt es kaum noch Linsensuppe?

Es ist schon viele Jahre her, so um die Zeit, in der ich ernsthaft begonnen habe, mich mit guten Rezepten am eigenen Herd zu beschäftigen, da fiel mir auf, dass ich noch nie eine Linsensuppe gegessen hatte, seitdem ich von zuhause ausgezogen war. Es gibt ja kaum noch Wirtshäuser, die sie in vernünftig, sprich ohne Dose, auf die Speisekarte bringen, zu miserabel ist ihr Image als grau-braune Pampe, als “Arme Leute-Essen” ist die Linsensuppe geradezu verschrien. Ihr schlechtes Image wird wohl nur noch von dem der Erbsensuppe getoppt, die sich ähnlicher Beliebtheit “erfreut”. Woran mag das liegen? Vielleicht, weil Eintopfgerichte seit Kriegsende allgemein verpönt sind, trotz ihrer vielfältigen Variationsmöglichkeiten und trotz gerade der Möglichkeit auch in kargen Zeiten mit einem auf Hülsenfrüchten basierenden Eintopfgericht viele Esser nahrhaft satt zu bekommen.

Der Begriff Eintopf wurde von den Nationalsozialisten popularisiert und ideologisch besetzt. Diese verliehen dem deutschen Alltagsgericht eine symbolisch-überhöhte Bedeutung und brachten es in Zusammenhang mit dem Begriff der Volksgemeinschaft. 1933 wurde der Eintopfsonntag eingeführt. Alle Bürger waren aufgefordert, an einem Sonntag pro Monat das übliche Fleischgericht durch einen Eintopf zu ersetzen und das so eingesparte Geld dem Winterhilfswerk (WHW) zur Verfügung zu stellen.

Die Popularisierung des Begriffs in der NS-Zeit baute laut dem Volkskundler Konrad Köstlin jedoch auf bestimmten bürgerlichen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts auf, die den Begriff Hausmannskost als Gegensatz zur angeblich überfeinerten Französischen Küche ansah und diese einfache Kost in einen positiven Zusammenhang mit dem deutschen „Volkscharakter“ brachte. „In der durchaus demokratischen Volksfesttheorie des beginnenden 19. Jahrhunderts wird mehrfach die Vorstellung von einem gemeinsamen und gleichen Essen formuliert, durch das soziale Unterschiede zugunsten der nationalen Gemeinsamkeit aufgehoben werden sollen. Das gemeinsame Kochen verschiedener Zutaten und die Kombination von Fleisch und Gemüse in einem Topf gehört vermutlich zu den ältesten bekannten Kochtechniken und ist somit jahrtausendealt. Diese Kochtechnik ist in allen Kulturen bekannt. Außerhalb Deutschlands spielt die Konsistenz für die begriffliche Einordnung als „Eintopf“ (one-pot-dish) keine Rolle. Beispiele für historische Eintopfgerichte sind der Getreidebrei der römischen Gladiatoren, der außer Gerstenschleim noch dicke Bohnen enthielt, ein Mischgericht aus Getreide, Gemüse und Fleisch der Germanen und das Hominy nordamerikanischer Indianer und später der frühen Siedler, das aus zerstoßenem Mais, Bohnen und Fleisch oder Fisch bestand. Ein spezieller Topf für das Kochen ohne Kessel über offenem Feuer ist der dreibeinige dutch oven, der sich besonders unter BBQ-Fans in den letzten Jahren wieder steigender Beliebtheit erfreut.

Wie lange müssen Linsen kochen?

Heutzutage gibt es Linseneintopfgerichte auch in Indien oder anderen asiatischen Ländern, wo vor allem in Europa wenig verbreitete Linsensorten, zum Beispiel rote Linsen, verwendet werden, und eher scharf oder süß-sauer gewürzt wird. In Europa sind die braunen Tellerlinsen am gebräuchlichsten. Entgegen einem verbreiteten Irrtum müssen Linsen vor dem Kochen nicht eingeweicht werden; sie sind nach einer Kochzeit von etwa 45 Minuten gar. Durch vorheriges Einweichen, das früher bei Früchten aus lange zurückliegender Ernte üblich war, lässt sich jedoch die Kochzeit verringern. Vor der Verwendung wurde das Waschen der Linsen empfohlen, was heute jedoch weitgehend überflüssig ist, da Verunreinigungen in industriell hergestellten Verpackungen praktisch nicht mehr auftreten. Lediglich bei Bioware ist Waschen zu empfehlen. In einigen deutschen Regionen werden Linsen mit geschnittener Blutwurst, zusätzlichem Essig und Zucker zum Würzen nach persönlichem Geschmack serviert. Andere übliche Beilagen sind Rauchfleisch, Knackwurst, Bockwurst, Bregenwurst oder Wiener Würstchen. Bei den schwäbischen Linsen mit Spätzle werden die Linsen mit wenig Flüssigkeit als Gemüsebeigabe zubereitet.

Mein Rezept für Linsensuppe (für 6 Personen)

Zutaten:

  • 500 g Tellerlinsen
  • 1 gestrichener TL Kaiser Natron (Haushaltsnatron)
  • 1 kg Suppengemüse, fein gewürfelt. Gut geeignet: Tiefgefrorenes Suppengemüse
  • 1 kg festkochende Kartoffeln
  • 2 Liter Geflügelbrühe, möglichst selbstgemacht, siehe hier
  • 6 Wiener Würstchen
  • Ras el hanout
  • Pfeffer, Salz,
  • Dunkler Balsamicoessig
  • Zucker
  • Petersilie, fein gehackt
  • Etwas Sojasauce zum Abschmecken

Zubereitung:

  • Die Linsen mit Natron in kaltem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen
  • Ca. 45 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen
  • Die Linsen sollten nicht ganz zerfallen!
  • Das Kochwasser abgießen und die Linsen in einen sauberen Topf geben, mit der Geflügelbrühe aufgießen
  • Das Suppengemüse hinzugeben und erneut aufkochen lassen. Mit geschlossenem Deckel sanft köcheln, bis das Gemüse gar ist
  • In der Zwischenzeit die geschälten Kartoffeln in einem anderen Topf in Salzwasser bissig gar kochen. Sie ziehen in der späteren Suppe noch nach
  • Wenn das Gemüse gar ist, die Kartoffel klein schneiden und ebenfalls zur Suppe geben
  • Die Würstchen in Scheiben schneiden und in der Suppe erwärmen
  • Die Suppe kräftig mit den Gewürzen, Essig und Zucker abschmecken
  • Die Suppe zieht ordentlich nach, daher am besten bereits am Vortag kochen

Varianten:

  • Ein Stück geräucherten Schweinebauch in etwas Fett auslassen und anschließend mit zu den Linsen zum Kochen geben. Bauch später in Stücke schneiden und als Einlage mit in der Suppe servieren
  • Milden Weinessig verwenden
  • Himbeeressig verwenden
  • Die Suppe mit grobkörnigem Senf abschmecken

Quellen und weiterführende Literatur zur Geschichte der Linsensuppe und des Eintopfes:

  • Herings Lexikon der Küche. Fachbuchverlag Pfannenberg
  • Konrad Köstlin: Der Eintopf der Deutschen. Das Zusammengekochte als Kult-Essen
  • Die Linsensuppe bei Wikipedia

 

Arthurs Tochter wünscht Ihnen guten Appetit!

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