Arthurs Tochter Rezept für Eton Mess mit Kirschen

Die Spargelsaison läuft gerade an und wird auch in diesem Jahr bereits nach einem gefühlten Wimpernschlag, nämlich am 24. Juni, dem Johannistag, wieder vorbei sein. Einen kleinen Trost zum Ende der Spargelsaison gibt es jedoch, und der lautet:

Spargel tot, Kirschen rot!

Und hat man Ihnen als Kind auch die Geschichte erzählt, ein Kirschbaum würde aus ihrem Bauch herauswachsen, wenn Sie die Kirschkerne mitessen? Auch in Erinnerung ist mir die Warnung meiner Eltern und Großeltern, nach dem Verzehr von Steinobst kein Wasser zu trinken. Dieser Glaube resultierte jedoch lediglich auf der damaligen schlechteren Qualität des Trinkwassers. Heute gibt es zu dieser Befürchtung keinerlei Anlass. Dennoch hält sich noch hartnäckig die Legende, dass Steinobst Bauchschmerzen verursachen könne. Woher kommt das?

Süße Kirschen enthalten viel Fruchtzucker. Zudem nahm man lange Zeit an, dass auf Kirschenschalen bestimmte Hefepilze sitzen. Der „Legende“ nach konnten die Hefepilze unter Einfluss von Wasser diesen Zucker zu Alkohol vergären. Wenn man also Kirschen essen und kurz darauf Wasser trinken würde, würde man demnach den Gärungsprozess beschleunigen. Dabei entstünde Alkohol und Kohlenstoffdioxin (CO2). Das CO2 soll dann für Blähungen und Bauchschmerzen verantwortlich sein. Doch diese Vermutung ist haltlos. Würden Hefepilze eine derart starke Wirkung entwickeln, sobald sie mit Zucker in Kontakt kommen, dürften wir fast gar nichts mehr trinken. Weder vor noch nach einer Mahlzeit und schon gar nicht währenddessen. Zudem bleibt die Mahlzeit nur rund 2 Stunden im Magen. Das ist viel zu wenig Zeit, als dass die Pilze den Zucker zu Alkohol vergären könnten. Und wer hat schon einmal davon gehört, nach dem Verzehr von mehreren Stücken Hefezopf mit Erdbeermarmelade einen Kater bekommen zu haben?

Von Studenten behauptet man gewöhnlich eine ganze Menge…

Sie gehen spät zu Bett und stehen ebenso spät wieder auf; sie wohnen in verlotterten Wohngemeinschaften, ihre Küchen sehen aus wie nach einem Bombeneinschlag – was aber reichlich egal ist, denn kochen können sie ja eh nicht. Nun – heute stelle ich Ihnen ein Beispiel an (kulinarischer) Mustergültigkeit vor, das es zu übertreffen gilt: Die Studenten des Eton Colleges in Windsor, England. Sie gelten nicht nur als fleißig, zuvorkommend und wohlhabend, sie haben auch um 1930 herum eines der berühmtesten Desserts der Welt erfunden: Eton Mess.

Premiere beim Cricket-Turnier im noblen Eton

Die Legende sagt, dass sich beim traditionellen Picknick im Rahmen des alljährlichen Cricket-Turnieres gegen die Schüler des Winchester-Colleges ein Rottweiler auf die von den Eton-Schülern so hübsch angerichteten Erdbeer-Sahne-Desserts gesetzt hätte. Das Ergebnis war ein „mess“ – ein schreckliches Durcheinander (Originalübersetzung: Chaos), das allerdings immer noch hervorragend schmeckte. Vielleicht war es kein Rottweiler, vielleicht waren die Schüler des Eton Colleges auch nur halb so wohlerzogen und fleißig wie angenommen. Vielleicht hatten sie einfach keine Lust, ihre Picknickdesserts hübsch anzurichten und haben frohgemut Erdbeeren in geschlagene Sahne geworfen und einmal kräftig umgerührt. Aber die Legende mit dem Rottweiler gefällt mir gut und wirklich wichtig ist schließlich nur, dass sie uns ein Dessert beschert haben, das in keinem Sommer fehlen darf.

Erdbeeren oder Kirschen – beides geht!

Das Original wird bis heute mit Erdbeeren zubereitet, Baisers „schmuggelten“ sich erst spät in die Rezeptur. Bereits im 16. Jahrhundert gab es eine bekannte englische Süßspeise namens „Fool“, schaumig gerührte Sahne mit Rosenwasser und Ingwer, später dann Erdbeeren – also eigentlich eher ein Getränk. Wahrscheinlich gibt es daher bis heute Rezepte für Eton Mess, in denen ein Teil der Erdbeeren püriert und flüssig zugegeben wird. Im Prinzip lässt sich der Dessert-Klassiker mit jedem sommerlichen Obst zubereiten, im Juni sind mir Erdbeeren lieber, im Juli mag ich dazu Kirschen am liebsten.

Erste Sahne!

Rezept für 4 – 6 Personen

Zutaten

  • 500 g Kirschen
  • 400 g Sahne
  • 1 EL Puderzucker, fein gesiebt
  • 75 g Baiser (es gibt im Handel ausgezeichnete Fertigware, schauen Sie bei den Backwaren)
  • 100 ml Kirsch- oder anderer dunkler Fruchtlikör, ersatzweise Kirschsaft für die alkoholfreie Variante
  • etwas Koriandergrün zur Deko, passend ist ebenso Minze oder Zitronenmelisse

Zubereitung

Entkernen Sie die Kirschen, große Exemplare teilen Sie und lassen Sie sie in Likör oder Saft ca. 30 Minuten ziehen. Ich empfehle das Teilen der Kirschen auch bei kleineren Exemplaren, auch wenn es etwas Mühe macht. Sie nehmen den Likör/Saft dann besser auf als nur über ihre glatte Außenfläche.

Schlagen Sie die Sahne steif und ziehen sie den Puderzucker unter. Zerkrümeln sie die Baisers in grobe Stücke und heben diese unter die Sahne. Legen Sie dabei einige zur späteren Dekoration beiseite.

Beginnen Sie mit dem Sahne-Baiser-Gemisch und schichten Sie dieses abwechseln mit den eingelegten Kirschen in Dessertgläser. Gießen Sie evtl. Rest des Likörs oder Saftes über die Desserts und schließen sie die letzte Schicht mit einem Baiser ab. Dekorieren Sie dieses mit dem gewünschten Grün.

Mein Tip:

Sichern Sie Ihr Dessert vor Rottweilern!

 

Arthurs Tochter wünscht Ihnen einen süßen Zahn!

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